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Dokumentarfilme „Goldgruben“, „Kostbares Nass“, „Wer hat dich, du schöner Wald…“

23. April 2016 | 19:30 - 22:00

guenter_lippmannAm Samstag, dem 23. April 2016 zeigt der Verein Kulturhaus Heidekrug 2.0 aus Anlass seines 80. Geburtstages die Dokumentarfilme „Goldgruben“, „Kostbares Nass“ und „Wer hat dich, du schöner Wald…“ von Günter Lippmann. „Goldgruben“ und „Kostbares Nass“ gehörten zu den ersten Umweltfilmen der DEFA. Der Eintritt beträgt 5 Euro.

Defa-Umweltfilme von Günter Lippmann anlässlich seines 80. Geburtstages
Zensiert – verstümmelt – verhindert
Am Samstag, dem 23. April 2016 zeigt der Verein Kulturhaus Heidekrug 2.0 aus Anlass seines 80. Geburtstages die Dokumentarfilme „Goldgruben“, „Kostbares Nass“ und „Wer hat dich, du schöner Wald…“ von Günter Lippmann. „Goldgruben“ und „Kostbares Nass“ gehörten zu den ersten Umweltfilmen der DEFA. Der Eintritt beträgt 5 Euro.
Vorgeschichte:
1969: Der Diplomfilm von Günter Lippmann über den Komponisten Hanns Eisler wird nach Beginn der Dreharbeiten durch massive kulturpolitische Einwendungen eingestellt.
1977: Nach politisch motiviertem Streit um den Film „Arbeiterfotografen“ wird dem Regisseur Lippmann die Weiterarbeit an dem Film entzogen. Nach einer zweijährigen Zwangspause wird erst durch eine Intervention von Stephan Hermlin beim Filmminister eine Weiterarbeit im Studio ermöglicht.
Günter Lippmann: „Da das bei den Ökofilmen auch eine Rolle spielt, kann ich zusammenfassen: Seit dem Abbruch des Diplomfilms zieht sich die Behinderung meiner Arbeit wie ein roter Faden durch meine berufliche Biografie. Immer wieder gab es Schwierigkeiten, Zensureingriffe massivster Art oder Behinderungen die dann letztendlich zu Abbrüchen geführt haben.“ (aus einem Gespräch mit der Filmhistorikerin Dr. Christiane Mückenberger, zitiert nach: Das Prinzip Neugier / Defa-Dokumentarfilmer erzählen, Verlag „neues leben“)
„Goldgruben“, 1981, 22 Minuten
Christiane Mückenberger: Du hast dich, als du wieder angefangen hast zu arbeiten, mit einem Thema befasst, bei dem eigentlich klar war, dass du wieder Schwierigkeiten bekommst.
Günter Lippmann: Es gab im Defa-Studio 1980 einen Hinweis vom Ministerrat, man solle sich doch einmal um Recycling kümmern, in der DDR hieß dass Rückgewinnung von „Sekundärrohstoffen“. Diese Anfrage lag in der Arbeitsgruppe „Information“ schon lange herum. Das hat man mir angeboten. Die Maßgabe war darzustellen, wie toll das alles ist, wenn man Dinge zurückgewinnt, dass es ökonomisch sinnvoll ist, dass es eine kluge Entscheidung der Partei ist. Mit diesen Vorgaben sind wir losgefahren und haben Dinge entdeckt und uns heraus gesucht, die sowohl als auch waren, Rückgewinnung von Stoffen und ungeheure Belastungen der Umwelt. … Diese Kehrseite der Medaille, der ökologische Aspekt wurde der durchgängige und spannende, der aber auch wieder die Zensur auf den Plan rief.
Christiane Mückenberger: Dein Film „Goldgruben“ ist abgenommen worden und 1981 im Kino gelaufen. Hast Du da eine Reaktion erlebt?
Günter Lippmann: Viele. Diese Kinovorfilme waren ja immer gekoppelt mit bestimmten Spielfilmen und liefen mit ihnen in allen Filmtheatern durch, so wie der Einsatzplan vom Progress-Filmverleih das vorsah. Bei „Goldgruben“ gab es eine leicht absurde Kopplung mit „Lady Chatterleys Liebhaber“ was aber dazu führte, dass viele Leute ins Kino gingen und auch „Goldgruben“ sahen. Dann kehrte sich das um, die Leute gingen ins Kino um vor allem „Goldgruben“ zu sehen.

n dem Film spielt eine gigantische Buna-Halde eine große Rolle, auf die Abfall aus der Karbidproduktion, Karbidkalkhydrat, gepumpt wird. Dieser Buna-Kalk ist unter bestimmten Bedingungen als Baustoff verwendbar. Der größere Teil aber wurde mit Wasser versetzt und auf die Halde gespült. Diese Halde war etwa 200 Meter von einem Dorf entfernt und wuchs und wuchs und wuchs. Uns haben Fachleute vor Ort gesagt, dass sie Angst haben, wenn das einmal ins Rutschen gerät, begräbt die Schlammlawine das ganze Dorf. Auf Halde gespült wurde das, weil die Deutsche Reichsbahn nicht genügend Waggons für den Abtransport zur Verfügung stellen konnte. Irgendwann ging auch der Verkehrsminister Kramer ins Kino, weil er „Lady Chatterleys Liebhaber“ sehen wollte, und sah die Misere in Buna. Der lief dann Sturm und schaffte es über seine Kanäle, dass der Film entkoppelt und aus der Verleihstrecke herausgenommen wurde.
Dagegen gab es natürlich Einwände, auch vom Studio, es kam zu dem Kompromiss, der Film dürfe in Matinee-Veranstaltungen gezeigt werden. Mit der Auflage, dass Erklärungen abgegeben werden. Man wollte dem Film einen „Beipackzettel“ geben: Warnung vor schädlichen Nebenwirkungen. Was dazu führte, dass der Progress Film-Verleih von den Bezirksfilmdirektionen aufgefordert wurde noch mehr Kopien zu ziehen. Es gab also plötzlich die doppelte Anzahl von Kopien, mit dem Ergebnis, dass der Film über eine Million Zuschauer hatte, die höchste Zahl damals. Sie hatten das Gegenteil erreicht. (ebenfalls zitiert nach Das Prinzip Neugier)
„Kostbares Naß“, 1986, 21 Minuten
Christiane Mückenberger: 1986 entstand „Kostbares Naß“ über die Verseuchung des Wassers; ein Film mit ebenfalls sehr guten Zuschauerzahlen.
Günter Lippmann: Die Verunreinigung der Flüsse war ein wichtiges allgemeines Thema, das auch in den immer mehr entstehenden Umweltgruppen eine Rolle spielte. Das war unser erster Ansatzpunkt, und das wurde plötzlich im Studio akzeptiert. Es gibt ja auch eine Reihe von Beispielen wo man zunächst Mitstreiter im Studio hatte. Problematisch wurde es dann, wenn Einwendungen von außen kamen oder wenn besondere Scharfmacher im Studio Wind von einer Sache bekamen, die nicht sein sollte. Wir bekamen den Stoff in den Plan und haben mit den Recherchen begonnen. Das lief dann relativ gut, nach einigen Änderungsauflagen wurde der Film zugelassen und kam in die Kinos.
Ich habe dann zunehmend Kontakt zu den verschiedenen Umweltgruppen in Berlin und Potsdam gehabt: ARGUS in Potsdam und in Berlin die Umweltbibliothek und eine Gruppe für Stadtökologie in Köpenick, die auch meine Filme gezeigt haben.
Auf solchen Veranstaltungen haben wir einige der sogenannten Untergrundfilmer kennengelernt. Dabei entstanden kontroverse Diskussionen. Als klar wurde, dass wir von der DEFA kommen, wurden wir beschimpft. Da fiel das Stichwort „nützliche Idioten“, was man – zumal im Rückblick – gar nicht widerlegen kann.
Es gibt eine verrückte Geschichte, die das verdeutlicht: 1987 gab es im Zuge der Brandtschen Annäherungspolitik das gemeinsame Positionspapier von SPD und SED. In der Vorbereitungsphase haben sich Arbeitsgruppen in Berlin getroffen, und der SPD-Delegation sind ohne unser Wissen und ohne unsere Beteiligung die drei Umweltfilme, die bis dahin existierten, gezeigt worden, um zu belegen, wie toll in der DDR mit ökologischen Fragen umgegangen wird. Sie haben das, was sie eigentlich verhindern wollten und bekämpft haben,dann in der entstandenen verstümmelten Form als Beleg für sich genutzt. (ebenfalls zitiert nach Das Prinzip Neugier)
„Wer hat dich du schöner Wald … oder wie ein Film verhindert wurde“ (DDR 1990, 38′)
Das Ökologieprojekt des Regisseurs wurde acht Mal abgelehnt. Kaum ein anderer populärwissenschaftlicher Film der DEFA musste eine solche Vielzahl restriktiver Auflagen mit Schnitt- und Textänderungen, auch Nachdreharbeiten, erdulden. Dabei ging es „nur“ um die ohnehin weit sichtbaren Waldschäden im Erzgebirge, hervorgerufen durch sauren Regen und ungefilterte Industrieabgase aus dem nahen tschechischen Industrierevier um Most. Die neunte Fassung kam 1990, kurz vor dem Ende der DDR, mit dem Untertitel „…wie ein Film verhindert wurde” in die Kinos. (Quelle: Filmmuseum Potsdam)

Veranstaltungsort

Kulturhaus Heidekrug 2.0 e.V.
Brunholdstr. 1
Joachimsthal, Brandenburg, Barnim 16247 Deutschland
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Website:
www.heidekrug.org
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