Im Alter wird man nicht mehr gehört“ – Ein Abend mit dem Dramatiker Rolf Hochhuth in Panketal

88 Jahre ist Rolf Hochhuth inzwischen alt. Auch wenn es um ihn in den letzten Jahren etwas ruhiger geworden ist – zu sagen hat der der wohl bedeutendste und auch umstrittenste noch lebende deutschsprachige Dramatiker des 20. Jahrhunderts noch viel. Davon konnte sich das Publikum am Freitag Abend, den 11. Oktober 2019 in der Panketaler Restauration „Alte Schmiede Zepernick“ im Rahmen der Reihe „Kulinarische Kamingespräche“ überzeugen.

Prof. Michael Schäfer begrüßte die Gäste im Namen der Gemeinde Panketal und der „Bürgerstiftung Panketal“, die seit einigen Jahren als Veranstalter dieser immer hochkarätig besetzten Gesprächsreihe fungieren. Schäfer stellte zunächst den umtriebigen Dramatiker und Literaten Hochhuth mit Fakten und Daten zu dessen beruflichen und privaten Hintergrund gewohnt wortgewaltig vor.

Gutes Essen und gute Gespräche – dieses Rezept ist ein Garant des anhaltenden Erfolges dieses besonderen kulturellen Ereignisses. Für das gute Essen sorgte wie immer das Team um den Panketaler Gastronom Frank Opitz, der das obligate 3-Gang-Menü anhand ausgewählter biographischer Daten des Gesprächsgastes entwickelt. Bei Rolf Hochhuth waren das dessen Heimat im Raum Kassel (Kasseläner Griene Soße mit pochiertem Landei auf Wildkräutersalat), sein Leben in Basel und die damit untrennbare Freundschaft zum Philosophen Karl Jaspers (Baseler Lummelbraten auf Waldpilzsoße, Marktgemüse und Knöpfli) sowie seine Berliner Zeit als Hausherr des Theaters am Schiffbauerdamm (Berliner Burger mit Zitronencreme).

Noch während die Anwesenden das Dessert verspeisten, hielt es den geistig jung gebliebenen Hochhuth nicht länger auf seinem Platz. Er begann aus seinen Anekdoten und Balladen zu lesen. Kurzweilige Texte zu überaus interessanten historischen Ereignissen wie der Bismarckschen Prophezeihung zur Abdankung Kaiser Wilhelms des II., Einblicke in die Eifersüchteleien rund um Mozarts Beerdigung oder die Tat des lange Zeit unbekannt und ungewürdigt gebliebenen Hitler-Attentäters Georg Elser gab der in Berlin lebende Dramatiker Hochhuth zur Freude eines gespannt lauschenden Panketaler Publikums zum Besten.

Zwischenzeitlich gab es Raum und Platz für Fragen aus dem Rund. Dabei wurde ersichtlich, der vor allem durch historische Stoffe bekannt gewordene Autor Hochhuth ist ein aufmerksamer und streitbarer Beobachter der Gegenwart. Dezidiert äußerte er sich zu komplexen politischen Themen wie der NATO-Osterweiterung, Merkels Demokratieverständnis oder einer seiner Meinung nach schwindenden Breite von veröffentlichten Meinungen. Der frühere Liberale Hochhuth bekannte, dass er es bereut habe, als Autor nie die Verantwortung eines politischen Amtes angestrebt zu haben, weil man nur dort „wirklich etwas bewegen“ könne. Mahnend fügte er hinzu: „Und ab einem gewissen Alter wird man nicht mehr eingeladen und nicht mehr gehört!“

Die Veranstaltung in der Panketaler „Alten Schmiede Zepernick“ zumindest hat bewiesen, dass es immer noch ein Publikum gibt für den geistig rüstigen Dramatiker Hochhuth, der derzeit an einem Theaterstück über den Völkermord an den nordamerikanischen Ureinwohnern schreibt.

Thorsten Wirth (für die Bürgerstiftung Panketal)

Fotos (Quelle: Thorsten Wirth)

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