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BERNAU: Zu wenig Straßengrün

Die Bautätigkeit in Bernau ist derzeit sehr dynamisch. Gerade in der Lage zum nahegelegenen Berliner Stadtgebiet ist eine hohe Nachfrage nach Wohnraum zu spüren. Viele Baugebieten werden ausgewiesen und es ist zu erwarten, dass der Trend auch weiter anhält. Die Entwicklung wird das Gesicht der Stadt Bernau auf Dauer beeinflussen.

Dyhr

Foto: Thomas Dyhr

Bauträger/ Projektentwickler neigen erfahrungsgemäß aus nachvollziehbar kaufmännischem Kalkül dazu, in ihren Planungen zur Optimierung des erzielbaren Erlöses aus den Parzellenverkäufen möglichst wenig Gemeinflächen einzuplanen und dafür die zu verkaufenden Parzellen zu vergrößern.
Die Folge dieser kaufmännischen Erwägung sind zu schmale Bürgersteige auf den Verkehrsflächen, die einerseits keinen Platz für Straßengrün/ Bäume lassen, aber auch den Fußgängerverkehr behindern. Deswegen muss bei der Begegnung von Kinderwägen mit Rollatornutzer z.B. in manchen B-Plangebieten einer auf die Fahrbahn ausweichen.

Zu wenig Straßengrün und zu wenige Bäume führen gerade in heißen Sommern mangels ausreichender Beschattung zu erhöhter Strahlungswärme, erhöhtem Staubaufkommen­ und einem dadurch bedingt nur schwer schlecht erträglichen Stadtklima. Dieser Effekt wird sich infolge des Klimawandels voraussichtlich noch verstärken. Ein nur schwer erträgliches Stadtklima ist mit dem Selbstbild des Gesundheitsstandortes Bernau nicht vereinbar.

Zu wenig einladende Gemeinschaftsflächen in Wohngebieten führen zu einer Anonymisierung des Wohnumfeldes, weil die Verkehrsflächen sich aufgrund der zu geringen Breite kaum als Orte der Begegnung eignen. Gerade in einer prognostiziert älter werdenden Bevölkerung sind aber wohnortnahe öffentliche Orte der Begegnung ein wichtiger Faktor im sozialen Miteinander der Menschen und steigern die Identifizierung mit dem Wohnumfeld.

Wenn die Parzellierungen erfolgt und die Parzellen verkauft sind, sind die räumlichen Verhältnisse in den Baugebieten festgeschrieben. Was in den heute zu erstellenden Bebauungsplänen versäumt wird, ist nachträglich nur noch schwer oder gar nicht zu korrigieren. Deswegen besteht bereits heute dringender Handlungsbedarf.

Eingriffe in die planerische Hoheit der Investoren sind Eingriffe in das Eigentumsrecht, die einer Rechtsgrundlage bedürfen. Eine solche Rechtsgrundlage dürfte zwar grundsätzlich zu schaffen sein, gibt es zur Zeit in Bernau nicht.
Es bedarf einer stadtweit gültigen Satzung, die allen Investoren verbindliche Vorgaben macht, wie Bebauungspläne in Bernau grundsätzlich auszusehen haben. In einer solchen Satzung können Festlegungen wie Grünflächen, Anteil der Gemeinschafts- und Verkehrsflächen an der Gesamtfläche etc. festgelegt werden.
Damit wirkt diese Satzung bereits vor der Parzellierung und setzt als öffentlicher Belang gestalterische Akzente, die bisher nicht oder nur in schwierigen Verhandlungsprozessen durchzusetzen waren.

Die Entwicklung einer derartigen Satzung möchte die Fraktion Bündnis90-Grüne/ Piraten mit einem Antrag an die kommende SVV anstoßen.

Neben der Prüfung der grundsätzlichen Machbarkeit wird der Bürgermeister in dem Antrag gebeten, Vorschläge für geeignete Festsetzungen in dieser Rahmenplanung zu unterbreiten.
Die vorgeschlagenen Festlegungen sollen in einem weiteren Prozess in der SVV zu der angestrebten Satzung weiterentwickelt werden.

Pressemeldung der Fraktion Bündnis90-Grüne/ Piraten