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12. baff-Naturmarathon 2016

776 Läuferinnen und Läufer hatten sich bei der 12. Ausgabe des baff-Marathons in Marienwerder an der Startlinie eingefunden um bei kühlem, aber trockenem Wetter die 10,5 km-Runde ein bis vier Mal in Angriff zu nehmen.
Gesamtsieger auf der Königsdistanz wurde Alexander Dautel von der LG Nord Berlin Ultrateam mit einer sehr guten Laufzeit von 2:41:36 h. Siegerin bei den Damen wurde Sandra Kötzle von der LG Mauerweg Berlin in einer Zeit von 3:28:54 h.
Alle Ergebnisse können online unter www.ziel-zeit.de abgerufen werden.
Eine der faszinierendsten Leistungen des heutigen Tages dürfte die Leistung von Horst Rühl sein, der die Halbmarathon-Strecke in einer Zeit von 2:41:51 h bewältigte – und das in der AK M85 !!!

4. Bernauer Dialog fand zum Holocaust- Gedenktag

Pressemitteilung
Der 4. Bernauer Dialog fand zum Holocaust- Gedenktag am 27. Januar 2016 in den Räumen der Galerie Bernau statt.
Vor 71 Jahren wurden an diesem Tag die Überlebenden des KZ-Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau von Soldaten der Roten Armee befreit. In Auschwitz sind Menschen jüdischen Glaubens aus Bernau, aus Lingen an der Ems, aus Lodz ermordet worden. Der Plan für diese gezielte Ermordung ist auch in der Bundesschule Waldfrieden entwickelt worden.

Der Bernauer Bürgermeister André Stahl übersandte ein Grußwort, indem er betonte, wie wichtiger denn je es ist, für Toleranz und Weltoffenheit einzutreten und den öffentlichen Raum nicht denjenigen zu überlassen, die Hass sähen und Vorurteile pflegen.

Über das Leben und die Vernichtung Bernauer Bürger mosaischen Glaubens lasen Dagmar Enkelmann und Margot Ziemann aus dem Bericht „Juden in Bernau“ (Rotary Club Bernau, 2010). 24 Bernauer Bürger wurden ihrer Habe beraubt, enteignet und nach Auschwitz, Warschau und Trawniki deportiert. Nur die Mitglieder Familie Lehmann überlebten durch die Hilfe deutscher und polnischer Mitbürger.
Sören-Ole Gemski, Mitglied des „baudenkmal bundesschule bernau“-Vereins (bbb), berichtete, was über das heutige Baudenkmal Waldfrieden aus der Zeit des Faschismus bekannt ist. 1933 wurde es von SA-Truppen gestürmt und als Reichsführerschule der NSDAP eingeweiht. Ab Mitte 1939 erfolgte in Bernau die Ausbildung von Angehörigen des Sicherheitsdienstes (SD), die nach Beginn des Krieges gegen Polen u. a. für den Einsatz in den besetzten Gebieten vorgesehen waren. Im Sommer 1939 bereitete die Schutzstaffel (SS) der Nazis unter strenger Geheimhaltung spezielle Trupps vor, die „polnische Überfälle“ auf deutsche Einrichtungen in Oberschlesien vortäuschten. Mehrtägige Tagungen des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) fanden in Bernau in den Jahren 1941 bis 1943 statt, an denen die SS-Beauftragten aller besetzten Gebiete teilnahmen. Dort wurden die Vernichtung der Bevölkerung jüdischen Glaubens sowie die Deportations- und Siedlungspolitik in Mittel- und Südosteuropa geplant.
Dieter Korczak las Passagen aus dem Band „Spurensuche“ (Korczak, 2010). Im polnischen Lodz umfasste die jüdische Gemeinde zu Beginn des Krieges 1939 rund 235.000 Menschen. Sie stellte damit 1/3 der Stadtbevölkerung und war wesentlich an der wirtschaftlichen und kulturellen Blüte der Stadt seit der Industrialisierung beteiligt. Diese Menschen wurden unter unwürdigsten Verhältnissen in ein innerstädtisches Zwangslager/Ghetto umgesiedelt und mussten dort bei geringsten Essensrationen Zwangsarbeit verrichten. Rund 45.000 Bewohner des Ghettos starben an Unterernährung, Kälte und Krankheit. Weitere 145.000 Menschen wurden vergast. Überlebt haben nach Schätzungen lediglich 5.000 – 10.000 Menschen. Der nach Ende des Krieges beginnende Prozess der „Enjudaisierung“ in Polen (Engelking/Hirsch, 2008) setzt sich bis heute fort und wirkt wie eine zweite Auslöschung des jüdischen Lebens und der jüdischen Kultur!
Es gab in der Zeit des Faschismus aber auch Beispiele von Zivilcourage und Bürgermut. Peter Hofschröer las aus seiner Biografie, wie in Lingen an der Ems die Personalunterlagen von Mitbürgern jüdischen Glaubens „arisiert“ wurden, wodurch diese Bürger vor der Todesmaschinerie der Nazis gerettet wurden.

In der Diskussion, die sich der Lesung anschloss, wurde darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, die Jugend und die jungen Erwachsenen mit diesen historischen Schilderungen zu erreichen, um aufklärerisch zu wirken. Vergangenheitsbewältigung ist nie zu Ende. Das reicht bis in die Wortwahl hinein. Den Nazis ist es leider gelungen, Menschen jüdischen Glaubens zu einer eigenen ethischen Gruppe, ungeachtet ihrer Staatszugehörigkeit, zu definieren. So wird bis heute von Deutschen, Polen und Juden gesprochen und nicht von Deutschen und Polen katholischen, evangelischen oder jüdischen Glaubens.
Teilnehmer des Dialogs äußerten die Angst, dass die Menschen, die aktuell in Deutschland Asyl suchen, genauso stigmatisiert und mit Hass verfolgt werden wie damals die Mitbürger jüdischen Glaubens.
Alles Gegenwärtige verweist auf ein Zurückliegendes, Vergangenes wird in der Gegenwart sichtbar. Deshalb braucht Zukunft Erinnerung, damit sich Menschen verachtende Parolen, Gewalt und Mordlust nicht aufs Neue erheben.

Es wurde angeregt, die Zeit des Hitlerfaschismus in Bernau (1933-1945) durch die Aufarbeitung der Stadtgeschichte, unter besonderer Berücksichtigung prägnanter Orte, zu leisten und über Lesereisen in Schulen zu vermitteln. Auch die Einbindung Zeitzeugen wurde als wichtig erachtet.

Foto F.Müller Bernauer Dialog

Foto F.Müller Bernauer Dialog