Das Leben des August Wilhelm Petsch

Das Leben des August Wilhelm Petsch: „Eine schöne Verbindung von Selbstständigkeit und Bürgersinn“

Für Dr. Manfred Drücke war der 8. Februar ein besonderer Tag. Der 75-jährige Heidelberger besuchte zum ersten Mal in seinem Leben Bernau. Die Stadt, in der seine Vorfahren lebten und deren Bürgermeister sein Ururgroßvater August Wilhelm Petsch von 1854 bis 1857 war. Zur Verabschiedung aus seinem Ehrenamt erhielt der Handwerksmeister dereinst einen silbernen Pokal. Und dieses Familienerbstück schenkte sein Ururenkel jetzt dem aktuellen Bürgermeister André Stahl. Einzige Bitte: Der Pokal möge einen würdigen Platz finden. Und dies sicherte ihm das Stadtoberhaupt gern zu.

Interessante Zeitdokumente sind auch die alten Fotos, die der Arzt als Geschenk mitbrachte. Besonders wertvoll dürfte für Bernau das Tagebuch seines Vorfahren sein, aus dem Dr. Drücke einige Passagen vorlas. Unter anderem die von der Amtsübergabe. „1857 den 1. April ist der neugewählte Bürgermeister Lange aus 16-02-09_Manfred_Drücke_Presse2Nauen hier aus dem Rathause von den verschiedenen städtischen Behörden durch den Vertreter des Landrates, Baron von Knobelsdorf, in sein Amt öffentlich eingeführt worden, und legte ich die städtische Verwaltung, die ich 2 Jahre und 4 Monate als kommissarischer Bürgermeister unentgeltlich geführt hatte, in dessen Hände nieder. Nach der Vereidigung des neuen Bürgermeisters wurde mir von den städtischen Behörden als Zeichen der Anerkennung für meine Leistungen ein silberner Ehrenpokal mit schöner Inschrift überreicht, wodurch ich überaus überrascht und sehr ergriffen, – aber auch wahrhaft erfreut wurde!, denn es ist wohlthuend, sich von Mitbürgern geehrt und geliebt zu wissen!“

August Wilhelm Petsch war nicht nur Bernauer Bürgermeister, sondern drei Jahrzehnte lang Mitglied des Magistrats der Stadt, dem er eine Zeit lang als Ältester vorstand. Privat galt der Inhaber eines Eisenwaren-Ladens als fleißig, sparsam und geschäftstüchtig. Die Familie wohnte im Raumschen Haus am Markt, das in den 1950er Jahren abgerissen wurde. Petsch starb 1870 im Alter von 81 Jahren in Bernau und wurde auf dem Kirchhof im Erbbegräbnis der Familien Petsch-Raum beigesetzt. Wenn sein Ururenkel auf das Leben seines Vorfahren zurückblickt, dann sieht er „eine schöne Verbindung von Selbstständigkeit und Bürgersinn“. Nach Bernau übrigens wird er gern noch einmal kommen: vielleicht zum Hussitenfest.

Text und Fotos: Pressestelle Stadt Bernau/Cornelia Fülling

Bildtext:
Dr. Manfred Drücke (r.) überreicht Bürgermeister André Stahl und Museumsleiter Bernd Eccarius den silbernen Pokal, mit dem sein Ururgroßvater würdevoll aus dem Amt als Bernauer Bürgermeister verabschiedet wurde.

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